In Spaniens größtem Handelshafen treffen sich täglich die Kulturen zweier Kontinente. In der südlichsten Großstadt des Landes an der gleichnamigen Bucht gegenüber von Gibraltar leben aktuell knapp 118.000 Menschen. Vom „Tor nach Afrika“ fahren die Fähren nach Marokko und Ceuta, wenige Kilometer weiter westlich liegt das Surfparadies Tarifa.

Klima in Algeciras

Grundsätzlich kann man das typische Klima in der Comarca Campo de Gibraltar rund um Algeciras als gemäßigt bezeichnen. Die Region liegt im Übergang zwischen Atlantik und Mittelmeer, charakteristisch sind ganzjährig milde Temperaturen, die durchschnittlich nur selten unter 15 °C fallen. Speziell zwischen November und Januar kommt es jedoch zu teils reichhaltigen und gewittrigen Niederschlägen, das diesbezügliche Jahresmittel beträgt ca. 1.000 mm.

Das gesamte Gebiet wird das ganze Jahr über klimatisch stark und fast exklusiv von den beiden Winden „Levante“ und „Poniente“ beeinflusst. Im Sommer überwiegt der warme Levante aus östlicher Richtung mit der Stärke 3-5, im Winter halten sich die Strömungen in etwa die Waage. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit in und um Algeciras beträgt ca. 80 Prozent. Verglichen mit dem Rest Andalusiens gibt es hier die geringsten Unterschiede zwischen statistischen Maximal- und Minimaltemperaturen von knapp 28 bzw. gut 11 °C. Das relativ milde und ausgewogene Klima prädestiniert die Stadt demzufolge als gut geeignetes Reiseziel für das ganze Jahr.

Der Aufenthalt in Algeciras

Obwohl Algeciras als Industrie- und Hafenstadt von den meisten Reisenden in der Regel lediglich als Durchgangsstation genutzt wird, bietet die Stadt doch einige Attraktionen, die auch einen längeren Aufenthalt oder Ausflug lohnenswert machen.

Die Küstenstraße Avenida de la Marina verläuft von Norden nach Süden und ist die wichtigste Lebensader vor Ort. In den Seitenstraßen finden sich günstige Hotels, Bars und Restaurants. Entlang der Strecke ist die Touristeninformation in der Calle Cervantes gut ausgeschildert.

Viel Verkehr herrscht auch auf der Avenida Virgen del Carmen, die ebenfalls parallel zum Meer verläuft. Gastronomie und Geschäfte gibt es rund um die Plaza Alta, in der Calle Alfonso Once, an der Plaza Nuestra Señora de la Palma und im Barrio (Bezirk) San Isidoro. Mitunter vor Kriminalität gewarnt wird vor den Stadtteilen Saladillo, Bajadilla und La Piñera.

Strände, Wanderwege, Sportmöglichkeiten

Die zentralsten Strände sind der Playa de la Choncha und der angrenzende große Playa de El Rinconcillo mit langer Promenade im gleichnamigen Ortsteil nahe der Mündung des Rio Palmones im Norden. Ebenfalls erwähnenswert sind der kleine Playa de El Chinarral südlich des Yachthafens, der zweigeteilte Playa de Getares und der schmale Sandstreifen vor den Klippen von Cala Arenas im El Estrecho Natural Park bei Punta Canero im Süden.

Schön spazieren oder joggen kann man auf der Promenade Los Ladrillos gegenüber der Containerhafeninsel sowie an der Playa del Barranco neben dem Stadtpark Paseo Cornisa, wo sich diverse Sportanlagen und Kinderspielplätze befinden. Weitere gepflegte städtische Grünanlagen mit befestigten Wegen sind der Parque María Cristina, Parque de las Acacias, Parque del Saladillo und der Parque del Centenario.

Sehenswürdigkeiten

Zahlreiche archäologische Funde belegen, dass das heutige Stadtgebiet von Algeciras bereits in der Altsteinzeit besiedelt war, auch aus der Epoche der römischen Herrschaft und aus dem Mittelalter sind viele Artefakte überliefert.

Die römischen Öfen von El Rinconcillo

Nur 300 Meter entfernt vom Playa de El Rinconcillo liegen die Überreste der beiden gut 2000 Jahre alten römischen Brennöfen zur Keramikherstellung, die 1966 von dem Archäologen Manuel Sotomayor Muro gefunden wurden. Die 1969 zum nationalen Kulturgut erklärte Fundstätte gehörte einst zur römischen Fertigungsstätte Portus Albus, die gemeinsam mit den antiken Städten Carteia und Iulia Traducta die Keimzelle des aktuellen Algeciras bildete. Weitere Funde noch älteren Datums in der unmittelbaren Umgebung lassen vermuten, dass das Areal noch früher genutzt wurde. Die Ausgrabungen werden deshalb kontinuierlich fortgeführt.

Die römische Salzfabrik in der Calle San Nicolás im Bezirk Villa Vieja de Algeciras

Der zentral gelegene Stadtteil Villa Vieja ist gewissermaßen das wichtigste und größte Freiluftmuseum in Algeciras. Neben der Ausgrabungsstätte „Huerta de Carmen“ aus der Zeit der maurischen Herrschaft zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert ist vor allem die historische römische Salzfabrik aus dem 1. Jahrhundert sehenswert. Als eine der größten Anlagen ihrer Art auf der gesamten Iberischen Halbinsel wurde sie bis in das 5. Jahrhundert intensiv genutzt.

Ebenfalls in Villa Vieja befindet sich die Ruine der ehemaligen Moschee Mezquita Aljama aus dem 8. Jahrhundert. Mit die letzten Überreste islamischer Architektur der Stadt liegen heute im Garten des berühmten Hotels Reina Cristina, wo 1906 die Konferenz von Algeciras stattfand und wo in der Vergangenheit bereits Prominente wie Charles de Gaulle, Winston Churchill und Orson Welles nächtigten.

Der Parque Arqueológico de las Murallas Meriníes de Algeciras

Der 6.000 m² große archäologische Park befindet sich in der Avenida Blas Infante an der Grenze zum Stadtviertel Villa Nueva, er beherbergt Funde der Ausgrabungen aus dem Jahr 1997. Dazu zählen die Ruinen maurischer Mauern, Überreste von Türmen und Gräbern sowie von Befestigungsanlagen. Direkt nebenan liegt das im Jahr 2009 neu eröffnete Regionalmuseum „Centro de interpretación de la cultura andalusí“. Das Museum thematisiert die Geschichte der historischen Siedlung Al-Yazira Al-Jadra auf dem Gebiet des heutigen Algeciras vom 10. bis zum späten 14. Jahrhundert.

Der Aquädukt von Algeciras

Der Acueducto de Algeciras wurde von 1777 bis 1783 errichtet, um die Stadt mit frischem Wasser zu versorgen, er befindet sich hauptsächlich in den beiden Bezirken El Cobre und La Bajadilla. Als eines der populärsten Postkartenmotive der Stadt mit dem Felsen von Gibraltar im Hintergrund genießt die historische Wasserleitung den Status eines urbanen Wahrzeichens. Zwischen 2008 und 2010 wurden mehrere Abschnitte aufwendig saniert.

Wissenswertes

Der tendenziell amüsante, weil recht selbstbewusste Spitzname der Bewohner von Algeciras lautet „especiales“ (Die Besonderen). Die Bezeichnung leitet sich von einer regionalen Weinsorte ab. Diesen und andere edle andalusische Tropfen können Besucher in einer der unzähligen Bars und Bodegas verkosten.

Auch auf dem größten Markt der Stadt, dem 1934/35 erbauten „Mercado de abastos de Algeciras“, können Wein und nahezu sämtliche Artikel des täglichen Bedarfs erworben werden. Das achteckige Gebäude wurde im Jahr 2001 als herausragendes historisches Beispiel des „Neuen Bauens“ in den Rang eines nationalen spanischen Kulturdenkmals erhoben.

Weitere bedeutende und sehenswerte Baudenkmäler der Stadt sind das Teatro Florida von 1944/45 in der Avenida Agustín Bálsamo, welches nach Umbauten 2011 wiedereröffnet wurde, das im Jahr 1999 eröffnete Stadion Estadio Nuevo Mirador des Fußballvereins des Algeciras CF im Vorort La Menacha mit Platz für 7.300 Zuschauer und das 2007 nach zehnjähriger Bauzeit fertiggestellte Kulturzentrum Edificio Kursaal de Algeciras.

Wo liegt Algeciras?

Die Stadt liegt an der Westküste der Bucht von Algeciras gegenüber der britischen Kronkolonie Gibraltar im Süden der Comarca Campo de Gibraltar im Südosten der Provinz Cádiz. Im Osten grenzt Algeciras an das Mittelmeer, der Atlantik liegt gut 20 Kilometer entfernt in westlicher Richtung. Die benachbarten Comarcas sind La Janda im Nordwesten und Serranía de Ronda im Nodosten, die nächstgelegenen Gemeinden sind Tarifa im Westen sowie Los Barrios im Norden und Nordwesten.

Anreise nach Algeciras

Algeciras besitzt mit seinem engmaschigen Straßennetz gute Verbindungen nach Sevilla und Málaga, hier beginnt auch die „Autovía del Mediterráneo“ (E 15/A-7), die der Stadt als Ringstraße dient und sie mit den Städten an der Costa del Sol sowie der gesamten Mittelmeerküste und Barcelona verbindet. Aus Cádiz gelangt man am besten mit der N-340 nach Algeciras, die noch im Bau befindliche „Autovía Costa de la Luz“ (A-48) soll 2016 fertiggestellt werden. Die Autovía A-381 nach Jerez beginnt in der nahen Gemeinde Los Barrios, die „Autopista del Sur“ (AP-4) führt nach Sevilla, nach Vejer de la Frontera und Tarifa gelangt man über die E-5 und N-340. Der städtische Hafen ist über die N-350 und die N-357 mit dem Umland verbunden, die Comarca Serranía de Ronda in der Provinz Málaga ist über die A-405 von Málaga nach Cádiz von Algeciras aus zu erreichen. Die „Autovía de Acceso a Gibraltar“ (CA-34) führt nach La Línea und Gibraltar. Vom Busbahnhof „Estación de autobuses San Bernardo“ fahren regelmäßig Fernbusse in andere andalusische und spanische Städte. Genau gegenüber liegt der Hauptbahnhof mit mehreren täglichen Verbindungen nach Madrid, Granada und Ronda.