Historisch, geografisch und kulturell ist die 40.000-Einwohnerstadt im Norden der Provinz Málaga der vielleicht wichtigste Ort Andalusiens. Hier, wo die größten steinzeitlichen Grabanlagen Europas stehen, siedelten schon Phönizier, Griechen, Karthager, Römer und Mauren. Schauplatz einer der wichtigsten Schlachten der „Reconquista“ im Jahr 1410, wurde 1978 im Pakt von Antequera die Autonome Gemeinschaft Andalusien gegründet.

Sehenswürdigkeiten

Gut ein Dutzend Klöster und 7 Kirchen prägen das Stadtbild von Antequera, der ganze Ort besteht darüber hinaus aus einer Vielzahl von gut erhaltenen und gewissenhaft gepflegten historischen Gebäuden.

Die Kirche Real Colegiata de Santa María la Mayor

Als bedeutendstes lokales sakrales Bauwerk an der Schnittstelle von Spätgotik und Renaissance mit dem Status eines „Monumento nacional“ gilt die Real Colegiata de Santa María la Mayor von 1550. Vor dem Gotteshaus steht ein Denkmal für den Sohn der Stadt und berühmten spanischen Gelehrten Pedro Espinosa (1578-1650), der die "Schule der Dichter" gründete, die Antequera einst den Spitznamen „andalusisches Athen“ beibrachte.

Die Kirche Real Colegiata de San Sebastián

Am gleichnamigen Platz im Zentrum der Stadt liegt diese Kirche von 1549, das Gebäude besticht durch den nachträglich zu Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten und mit 60 Meter Höhe weithin sichtbaren Turm. Im Inneren kann man historische Wandmalereien und den wertvollen Kirchenschatz aus Silber besichtigen.

Die maurische Festung Alcazaba de Antequera

Die imposante Festung oberhalb der Stadt wurde von den damals maurischen Herrschern zur Abwehr der christlichen Angriffe im 14. Jahrhundert errichtet, nach der Burg Calhaorra in Gibraltar ist sie die zweitgrößte in Andalusien. Der katholische Glockenturm wurde nach der Wiedereroberung erst im Jahr 1582 erbaut.

Das Stadtmauertor Arco de los Gigantes

1585 war das Entstehungsjahr des Tores in der Stadtmauer, an der sich auch historische Inschriften zu den einstigen römischen Siedlungen der Gegend Anticaria, Singilia, Nescania und Osqua befinden. Über dem Tor thront der Torso einer römischen Herkulesstatue, welcher das Tor seinen Zweitnamen verdankt.

Das Stadtmauertor Puerta de Estepa

Das im Jahr 1749 aus rotem Kalkstein erbaute Stadttor diente früher dem Empfang der Händler und Reisenden aus Sevilla. 1931 wurde es wegen des steigenden Pkw-Verkehrs abgetragen, im Jahr 1998 zum 250. Jubiläum des örtlichen Volksfestes Real Feria de Agosto wieder neu errichtet.

Die Paläste de las Escalonias, de Nájera und del Marqués de Villadarias

Bei allen drei Gebäuden im Stadtzentrum handelt es sich um imposante Beispiele historischer Architektur in Antequera. Im Palacio de Nájera ist auch das Stadtmuseum untergebracht. Der Palacio del Marqués de Villadarias ist seit 1987 ein nationales Kulturdenkmal, der Palacio de las Escalonias seit 2013.

Das Kino und Theater Torcal

Das von 1933 bis 1934 im Stil des Art decó errichtete Haus beherbergt seit 2004 das alljährliche Festival barroco de músicas y comedias. 2008 wurde von der Stadtregierung der Anbau eines Saales mit einem Fassungsvermögen für 650 Personen beschlossen.

Ausflugsziele, Wanderrouten, Sportmöglichkeiten

Die beeindruckenden prähistorischen Megalithanlagen de Menga und de Vierra liegen am nördlichen Stadtrand in Richtung der Autobahn, der Dólmen de El Romeral etwas weiter außerhalb.

Der 1.170 Hektar große Naturpark Paraje Natural de El Torcal ist ca 14 Kilometer von Antequera entfernt. In dem Besucherzentrum am Parkplatz ist ein kleines Museum zur Geologie sowie zur Fauna und Flora der Gegend untergebracht. Ein grün markierter Wanderweg führt über 1,5 Kilometer zum Aussichtspunkt Torca de La Maceta, ein gelb markierter Weg über 2,5 Kilometer zum Aussichtspunkt Las Ventanillas mit fantastischer Fernsicht auf Villanueva de la Concepción.

Der national recht erfolgreiche Handballverein Club Balonmano Antequera trägt seine Spiele im Polideportivo Municipal Fernando Argüelles mit Platz für gut 2.500 Zuschauer aus, im Fußballstadion Estadio El Maulí finden 1.300 Besucher Platz. Im nahen Sportzentrum Complejo municipal del Maulí gibt es Hallen für Tennis, Hand- und Fußball. Zusätzlich verfügt die Stadt über ein Frei- und ein Hallenbad.

Wissenswertes

In Antequera wurde 1953 die aus zahlreichen Filmen u.a. des mehrfach ausgezeichneten Regiesseurs Pedro Almodóvar in ganz Spanien bekannte Schauspielerin Kiti Manver geboren. Auch die prominenten Profifußballer Antonio González „Chuzo“, Juan Calatayud und José Pinto Rosas kamen im sog. „Herz Andalusiens“ zur Welt. Landesweit seit Jahrhunderten noch bekannter ist jedoch der typisch lokale Tanz „Fandango antequerano“, der im Gegensatz zu den sonstigen andalusischen Tänzen sehr feierlich und vornehm erscheint.

Ganz andere Töne werden hingegen schon seit 1988 jedes Jahr Ende Juli beim „Antequera Blues Festival“ aufgeführt. Die gut besuchten Konzerte finden auf den historischen Plätzen der Stadt wie etwa auf der Plaza del Escribano in der Festung Alcazaba de Antequera statt. Bei dieser Festivität, wie auch während der weiter oben bereits erwähnten Volksfeste, kann man die süße Nachspeise „bienmesabe antequerano“ probieren. Der gehaltvolle Kuchen wird schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts nach einem unveränderten Originalrezept gebacken. Eine weitere lokale kulinarische Spezialität ist die Kaltschale „porra antequerana aus Tomaten, Weißbrot, Olivenöl, grünem Pfeffer, Salz und Knoblauch. Traditionell wird das Gericht mit klein geschnittenem Schinken und einem hart gekochten Ei serviert.

Mit dem Sprichwort „Salga el sol por Antequera“ (Möge die Sonne über Antequera aufgehen) drückt man im Spanischen übrigens Ungewissheit über den genauen Ausgang einer Unternehmung aus, ohne jedoch an deren Erfolg zu zweifeln.

Aufenthalt in Antequera

Durch seine überschaubare Größe ist der Stadtkern von Antequera angenehmerweise gut zu Fuß zu erkunden. Die lokale Touristeninformation befindet sich an der Plaza de San Sebastián 7. Hotels, Hostals und andere Unterkünfte mit 2 bis 5 Sternen finden sich am Paseo Garcia del Olmo, in der Calle Infante Don Fernando, an der Plaza San Sebastián, in der Calle Toril und in der Calle Encarnación.

Im kleinen Einkaufszentrum „"La Verónica" in der Avenida Talavera gibt es diverse Geschäfte, Boutiquen, Restaurants und einen Supermarkt, in den Seitenstraßen haben morgens und abends auch einige wenige Läden geöffnet. Die Höhepunkte im lokalen Festkalender sind die Volksfeste Feria de Primavera und Real Feria de Agusto sowie die Prozessionen in der Karwoche.

Klima in Antequera

Obwohl das Klima in Antequera grundsätzlich von der Nähe zum Mittelmeer geprägt ist, wirkt sich die Abschirmung durch den Gebirgszug Cordillera Antequerana südlich der Stadt auf die lokalen Witterungsverhältnisse aus. So reduziert sich der mediterrane Einfluss tendenziell, während weitflächige Ebenen im Norden für teils kräftige Winde aus dieser Richtung sorgen. Die langen und mitunter gewittrigen Sommer zeigen sich meist trocken und heiß mit Werten um die 30 °C. Die Winter mit Tiefsttemperaturen zwischen -3 °C und -10 °C sind recht kalt, es fällt aber nur selten Schnee.

Frühling und Herbst können regnerisch sein. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 15 °C, die Niederschlagsmenge 551 l/m². Man verzeichnet im Mittel 2.700 Sonnenstunden. Es herrscht der Ostwind „Levante“ vor, der hier nach seiner jeweils genauen Richtung „Solano“ oder „Granadino“ genannt wird. Der Westwind „Poniente“ ist als „Sevillano“ und Regenbringer bekannt. Antequera eignet sich somit am besten als frühsommerliches Reiseziel.