Am südlichsten Punkt Europas, dem „Punta de Tarifa“ nur ein gutes Dutzend Kilometer von der Küste Afrikas entfernt, treffen sich schon seit Jahrzehnten Wind- und Wellenreiter aus der ganzen Welt. Früher lebte man hier vom Fernhandel mit Südamerika und vom Fischfang, heute verdienen die aktuell knapp 18.000 Einwohner ihren Lebensunterhalt vorrangig mit dem Fremdenverkehr.

Klima

Durchschnittliche Windstärken mit 7 bis 9 Beaufort und darüber prägen das Klima in der Region Tarifa das ganze Jahr über. Die Landenge an der Straße von Gibraltar zwischen Mittelmeer und Atlantik ist quasi permanent sowohl dem Ostwind Levante als auch dem Westwind Poniente ausgesetzt. Die stetig frische Brise der beiden Meere sorgt für eine angenehme jährliche maximale Durchschnittstemperatur von gut 21 °C, in den Herbst- und Wintermonaten fällt das Thermometer selten unter 13 bis 15 °C.

Zwischen Mai und August im trockenen Sommer gibt es so gut wie keine Niederschläge, von November bis Januar kann es jedoch sehr nass und auch stürmisch werden. Besonders im November fallen bis zu 150 mm Regen. Im Vergleich zu den andalusischen Städten speziell im Binnenland verfügt Tarifa über ein wohltuend mildes und ausgeglichenes Klima im Jahresmittel. Bis auf den mitunter regnerischen Winter kann die Stadt der Surfer also besten Gewissens als ganzjähriges Reiseziel empfohlen werden.

Aufenthalt

An der nach Richtung Cádiz verlaufenden Nationalstraße Carretera del Mediterráneo (N-340) finden Urlauber zahlreiche Apartmentanlagen, Hotels und Campingplätze sowie Bars und Restaurants in großer Auswahl. So gibt es die vier verschiedenen Campingplätze Rio Jara, Camping Tarifa, Torre de la Peña und Valdevaqueros. Diverse Supermärkte, Läden und Geschäfte liegen ebenfalls an den zwei städtischen Hauptstraßen, welche von der N340 in Richtung Stadtzentrum abzweigen.

Bei Selbstversorgern beliebt wegen seiner frischen Waren und fairen Preise ist auch der große lebhafte Lebensmittelmarkt Mercado de Abastos hinter der Alameda Tarifa. Wer hingegen im Urlaub lieber andere für sich kochen lässt, kann in Tarifa auf unzählige gastronomische Angebote zurückgreifen. Hoch konzentriert vor allem in der Altstadt um die Alameda Tarifa und die Calle Sancho IV El Bravo, in der Umgebung lohnen auch die oft urigen und authentischen Landgasthöfe (Ventas) einen Abstecher. Das offizielle Touristeninformationszentrum Oficina Municipal de Turismo de Tarifa liegt im Paseo De la Alameda südlich der Avenida Andalucia.

Strände, Wanderrouten, Sportmöglichkeiten

Die feinsandigen Strände um die Stadt genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Die Küste von Tarifa zieht sich von der Bucht von Zahara de los Atunes im Westen bis zur Bucht von El Tolmo im Osten. Lange Sandstrände wechseln sich mit Landzungen und Felsen ab. Besonders malerisch zeigen sich die Punta Camarinal und die Punta Paloma sowie die als Naturdenkmäler geschützten Dünen von Valdevaqueros und Bolonia.

Zwischen den cabos de Plata und de Gracia liegt der gut 1.500 Meter lange und bis zu 50 Meter breite Playa de los Alemanes, der wegen seiner etwas abgeschiedenen Lage nahe des Ortsteils Atlanterra auch im Sommer nicht allzu überlaufen ist. Etwas voller kann es an der benachbarten Playa de Atlanterra werden, der dortige ehemalige Weltkriegsbunker ist eine überregional bekannte Attraktion.

An der Playa de Bolonia zwischen der Punta Camarinal und der Punta Paloma ziehen vor allem die imposanten Ruinen der römischen Stadt Baelo Claudia aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert viele Besucher an. Die deutlich kleinere Playa de El Cañuelo ist Teil des fast 19.000 Hektar großen Naturparks Parque natural del Estrecho. Man gelangt dorthin nur zu Fuß über einen Dünenweg am Leuchtturm Faro de Camarinal.

Mit über 7 Kilometern Länge ist die Playa de Los Lances der längste Strand in Tarifa und das Epizentrum des Surfens in all seinen Schattierungen.

Sehenswürdigkeiten

Tarifa nutzt seine starken und stetigen Winde nicht nur als Publikumsmagnet für Surfer, auch die Energieerzeugung der Stadt wird vielerorts durch Windräder geleistet. Seit 2003 steht Tarifas mittelalterlicher Altstadtkern unter Denkmalschutz, die urbane Entwicklung zur Tourismusgemeinde außerhalb der historischen Stadtmauern begann erst in den frühen 1970er Jahren.

Die maurische Festung Castillo de Guzmán el Bueno

Ursprünglich im Jahr 960 vom damaligen Kalifen von Córdoba Abd ar-Rahman III. als Wehrbau zum Schutz gegen die christlichen Heere der Reconquista erbaut, wurde die Burg 1292 von Sancho IV. von Kastilien erobert. Dieser vermachte die trutzige Anlage dem andalusischen Adligen Guzmán Alfonso Pérez de Guzmán el Bueno, der sich seinen wohlwollenden Spitznamen (der Gute) wegen seiner Loyalität zum König verdiente, indem er seinen eigenen Sohn den Mauren opferte. Von den Türmen der Festung kann man die Küste Marokkos und die dortigen Gebirge sehen.

Der Naturpark Parque natural de Los Alcornocales

Der fast 170.000 Hektar große Naturpark auf dem Gebiet der Gemeinden Tarifa, Cortes de la Frontera, Ubrique und El Bosque beherbergt einen der größten Korkeichenwälder ganz Spaniens. In dem schon seit der Steinzeit besiedelten Gebiet finden sich auch Höhlenmalereien und archäologische Funde aus römischer Zeit (Castellar de la Frontera). In den vier Besucherzentren El Aljibe (Alcalá de los Gazules), Huerta Grande (Algeciras) Cortes de la Frontera (Málaga) und Aula de la Naturaleza El Picacho (Alcalá de los Gazules) können sich Besucher über die regionale Fauna und Flora informieren.

Die ehemaligen Wehrtürme Torre de Guadalmesí und Torre de la Peña

An der gesamten Küste bei Tarifa wurden zu Zeiten der maurischen Herrschaft vom 8. bis 13. Jahrhundert zahlreiche Wehrtürme errichtet. Nach der Rückeroberung wurden diese teilweise bis in das 19. Jahrhundert weiter genutzt. Der Torre de la Peña überragt den Weg von Tarifa nach la Janda gegenüber der Sierra de Enmedio, der Torre de Guadalmesí wurde erst in der Epoche der Regentschaft von Philipp II. im Jahr 1588 erbaut.

Wissenswertes

Man kann in und um Tarifa sehr guten Fisch essen, besonders berühmt sind die Schwert- und Thunfische aus den lokalen Gewässern. Zwei sehr beliebte regionale Spezialitäten sind Ortigas de mar (Seeanemonen) und Tortillas de camarón (Sandgarnelen-Tortillas). Auch der Gemüseeintopf Tagarnias steht häufig auf dem Tisch.

Diese und andere Leckereien werden natürlich auch während der größten Fiestas der Stadt gerne serviert und konsumiert. So etwa zur Stärkung vor oder nach der Prozession zu Ehren der Stadtheiligen Virgen de la Luz immer in der ersten Septemberwoche. Seit 2010 als Fest von touristischem Interesse in Andalusien offiziell anerkannt, markiert der Umzug den Auftakt der folgenden Festwoche.

Ebenfalls sehr farbenfroh sowie mit viel Tanz und Musik werden die Karwoche zu Ostern im Frühjahr und die Andacht zu Ehren der Schutzheiligen der Seeleute und Fischer Virgen del Carmen jedes Jahr am 16. Juli gefeiert. Zu diesem Anlass laufen sämtliche Boote und Schiffe der Gegend aus, an Land wird vielerorts ausgiebig geschlemmt und getrunken. Ähnlich geht es auch beim lokalen Karneval im Februar/März zu, der in Tarifa wie in der gesamten Provinz Cádiz sehr ausgelassen zelebriert wird. Authentisch und urwüchsig präsentiert sich auch der große Viehmarkt Feria de ganado alljährlich im Oktober.